Mythos - “Der Fall M”

Kreationen von Reginaldo Oliveira, Tim Plegge und Jörg Mannes.

Die drei Ballette der Frühjahrspremiere ranken sich thematisch um den Begriff Mythos und begeben sich dabei auf die Suche nach Grenzen und Wegen.In seiner ersten Auftragsarbeit für das STAATSBALLETT KARLSRUHE beleuchtet Ensemblemitglied Reginaldo Reginaldo Oliveira, inspiriert vom Medea-Mythos, die ewig gültige Frage nach Schuld und Gerechtigkeit. Tim Plegge, der Choreograf von Momo, umkreist in seiner neuesten Choreografie ausgehend vom Orpheus-Mythos das Begriffspaar Erinnerung und Grenzüberschreitung. Jörg Mannes, heute Ballettdirektor an der Staatsoper Hannover und in Karlsruhe durch Liaisons dangereuses und Das Bett der Giulia Farnese bekannt, sucht in seiner Kreation nach dem Mythos als Gleichnis.Sebastian Hannak, Bühnenbildner von Momo, entwirft einen gleichermaßen übergreifenden wie wandelbaren Raum und schafft damit eine zusätzliche Verbindung zwischen den drei Stücken

PREMIERE: 22.03.2014
GROSSES HAUS | Staatstheater Karlsruhe
www.staatstheater.karlsruhe.de

Choreografie:
Reginaldo Oliveira

Musik:
Max Richter, Lera Auerbach, Alberto Iglesia

BÜHNE:
Sebastian Hannak

KOSTÜME:
Judith Adam

LICHT:
Stefan Woinke

DRAMATURGIE:
Christoph Gaiser

THEATERPÄDAGOGIK:
Magdalena Falkenhahn

Programmheft

Termine:
• Sonntag, 02.11., 19:00-21:30 - GROSSES HAUS
• Mittwoch, 26.11., 20:00-22:30 - GROSSES HAUS
• Sonntag, 30.11., 19:00-21:30 - GROSSES HAUS
• Freitag, 23.01., 20:00-22:30 - GROSSES HAUS
• Sonntag, 01.02., 19:00-21:30 - GROSSES HAUS
• Dienstag, 03.03., 20:00-22:30 - GROSSES HAUS


Presse:
„Der Faust“ - Die Deutsche Bühne, Ausgabe November 14, Sonderheft
Es muss einen Grund geben, weshalb „Der Fall M." aufs Neue ausgerollt wird, und Bruna Andrade liefert ihn. Dabei wirkt die brasilianische Tänzerin in dem Ballett ihres Landsmannes Reginaldo Oliviera zunächst eher wie entrückt. Erst mit zeitlicher Verzögerung wird ihr das Geschehene wieder bewusst, und Schritt für Schritt erlebt die „Vorgeladene", wie sie hier eher verallgemeinernd heißt, den Mythos am eigenen Leib - und das nicht zuletzt als körperliches Verlangen nach Liebe, die sie doch längstan eine andere verloren hat. Bruna Andrade bleibt dabei immer bewegte Form und gibt doch nicht allein Medeas Begehren mitreißende Gestalt: In einer ersten Rückblende scheint sie sich in ihren „Gefährten" geradezu hineinzuschmiegen. Später scheut sie sich nicht, ihre „klassischen" Beine wie einen Hebel anzusetzen. Und selbst in der schrecklichsten Szene des Stücks, der Tötung ihrer Kinder, ist die Ballerina glaubhaft. Alle Facetten ihres Frau-Seins ausspielend, begründet Bruna Andrade den Akt der Selbstzerstörung ebenso plastisch wie poetisch: eine eindrückliche Rolleninterpretation, wie man sie in Karlsruhe immer wieder erleben kann.
So auch am selben Abend, wenn sich Bruna Andrade im „Spiegelgleichnis" von Jörg Mannes zu verlieren scheint und sich dennoch als überaus präsente Ballerina behauptet. Eine komödiantische Rolle könnte übrigens bald hinzukommen, wenn das Badische Staatstballett im November „Der Widerspenstigen Zähmung" von John Cranko übernimmt. Eine andere Brasilianerin, Márcia Haydée, hat sich einst in Stuttgart darin die Katharina auf umwerfende Art anverwandelt. Warum sollte das nicht auch Bruna Andrade gelingen?
Hartmut Regitz

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